Auf Grasels Spuren

Wir starten diese interessante Tour bei der Basilika zur Schmerzhaften Muttergottes in Maria Dreieichen. Es lohnt sich, diesen prächtigen Sakralbau, der erhöht am Ostrand des Horner Beckens thront, zu besuchen, bevor wir die Wanderung 5-2 mit dem Titel „Devotionalien“ aus unserem Buch „Wandern im Waldviertel“ starten.

Nach dem barocken Vorbild der Stiftskirche Altenburg wurde der Bau 1744–50 in der heutigen Form realisiert. Die Südfassade wird von mächtigen Türmen mit Zwiebelhelmen gekrönt. Das Hauptschiff dominiert eine ovale Mittelkuppel, die 1750–52 von Paul Troger freskiert wurde und die himmlische Glorie thematisiert. Die wundertätige Statue der Schmerzhaften Muttergottes am Hochaltar erfreut sich seit dem 17. Jh. eines fortwährenden Zustroms an Pilgern.

Die Wurzeln der Wallfahrt zu diesem Ort liegen im Jahr 1656, als ein Horner Handwerker ein Vesperbild an einer dreistämmigen Eiche angebracht hat. Nach Brandzerstörung wurde nach diesem Vorbild eine hölzerne Gnadenstatue angefertigt. 1700 ließ Graf Hoyos eine Einsiedelei einrichten, um das Gnadenobjekt ständig zu betreuen. Um 1733 erbaute man schließlich eine Steinkapelle, die auf Maria Dreieichen geweiht wurde. Diese Bezeichnung ging kurz darauf auch auf den Ort über. Die in einem Glasschrein befindliche Marienstatue bildet das zentrale Element des Hochaltars. Auf der Altarrückseite kann man Reste der einst verehrten Eiche besichtigen, ebenso die Steinkapelle, die in den Kirchenneubau integriert wurde.

Zwischen der mächtigen Kirche und ein paar – meist geschlossenen – Verkaufsständen für allerlei Devotionalien befindet sich der Zugang zum Kreuzweg. Die Stationen entlang erreichen wir auf einem breiten Asphaltweg in wenigen Minuten die Bründlkapelle, wo sich das Wasser aus einem Brunnen vor der Andachtsstätte in Form eines überwölbten Marienaltars ergießt.

Daneben ist der Zugang zur Graselhöhle gesperrt, weil die Anlage nicht mehr gepflegt wird. Ob zugänglich oder nicht: Dass Johann Georg Grasel, dessen Leben in einem gesonderten Beitrag beleuchtet wird, auf seinen Raubzügen hier gehaust haben soll, ist jedenfalls durch keinerlei Beweis zu belegen. Nach der Andacht gehen wir den Kreuzweg zurück zur Basilika und nehmen die eigentliche Wanderung in Angriff.

Vom Pkw-Parkplatz aus halten wir uns an die grüne Tafel „Cholerafriedhof“ und gehen in einem Linksbogen weiter und an einem Biotop vorbei in den Wald. Über einen kaum ausgetretenen Pfad gelangen wir in eine Senke. Nach wenigen Minuten erreichen wir ein eingegrenztes Areal: den Cholerafriedhof.

Hier ruhen die sterblichen Überreste von 39 Personen aus Mold, Mörtersdorf und Zaingrub, die 1866 von der Cholera, die in der gerade in dieser Gegend stationieren preußischen Armee ausgebrochen war, dahingerafft wurden. 24 gusseiserne Kreuze auf Steinsockeln schmücken die Gräber. An zentraler Stelle des Gottesackers steht ein Gedenkstein.

Wir verlassen den ungewöhnlichen Bestattungsort und gehen zum Hauptweg hinauf, links weiter und biegen gleich danach neuerlich links auf einen Feldweg ab, wobei wir dem gelben Schild mit „27“ folgen – dem Hinweis auf den Grasel-Rundwanderweg. Wir bewegen uns zwischen Wald und Acker südwärts. Schließlich schwenkt der Weg auf Mold zu. Im Zurückwenden erfreut uns der Anblick der Basilika. Bei den ersten Häusern von Mold durchqueren wir eine kleine Villensiedlung und gehen vor zur Horner Straße. Links über den Parkplatz erreichen wir das Landgasthaus zum Knell für eine erste Labung.

Zurück in der Siedlung setzen wir bei einem Bildstock am rechten Ackerrain geradeaus auf Asphalt fort. Nach einem Rechtsknick geht es ein Feld entlang unter freiem Himmel weiter. Wenn der Asphalt endet, marschieren wir auf den Forst am Molder Berg zu und dort zwischen Feld und Waldrand entlang. Nach einer Etappe zwischen Bäumen mit schmalpfadiger, unruhiger Wegführung geht es wiederum in freiem Gelände weiter.

Wir folgen weiter der Nummer 27 und kommen zu einer Unterführung. Danach bewegen wir uns nach rechts in den Ort Mörtersdorf hinein. Nach einem Linksbogen erreichen wir einen kleinen Platz mit einem Bildstock und setzen auf einem laternengesäumten Sträßchen fort. Am Feuerwehrhaus vorbei überqueren wir den Dorfanger mit der Dorfkapelle (im Bild oben), marschieren zur Hauptstraße vor und halten uns links. Nach 200 m ist das Gasthaus Graselwirtin erreicht.

Hier soll der Legende nach der Räuberhauptmann im November 1815 zur Strecke gebracht worden sein: Der Polizeispitzel David Mayer stürzte sich auf den steckbrieflich gesuchten Räuber, als dieser bereits wieder fliehen wollte. Dieser wurde überwältigt, in schwere Eisen gelegt und schon am nächsten Tag nach Wien überstellt, wo er nach einem zwei Jahre dauernden Prozess schließlich 1818 gemeinsam mit zwei seiner Mitstreiter zum Tod verurteilt wurde (im Bild unten).

Wie nun der Rückweg entlang des Molder Bergs zur Basilika Maria Dreieichen weitergeht, ist der genauen Wanderbeschreibung im Buch „Wandern im Waldviertel“ zu entnehmen. (shaw)


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