Wenn sich die Wasser scheiden

Auf unseren Wanderstrecken im neuen Buch „Wandern im Waldviertel“ stellen wir auch Touren im Bezirk Gmünd vor, die abschnittsweise an Flüssen und Bächen entlangführen, die mit der Besonderheit aufwarten, nicht in die Donau und damit ins Schwarze Meer zu fließen, sondern Richtung Norden über Moldau und Elbe in die Nordsee entwässern.

Grund für diesen Umstand ist die Tatsache, dass die Europäische Hauptwasserscheide die Böhmische Masse durchschneidet und die Gewässer von diesem Höhenrücken in unterschiedliche Richtungen abfließen.

Der Verlauf der Wasserscheide entspricht im Wesentlichen der Grenze des Bezirks Gmünd zu den Bezirken Waidhofen an der Thaya und Zwettl und hat von Norden nach Südwesten folgenden groben Verlauf durch das nordwestliche Waldviertel:
Schanzberg – Motten – Artolz – Heinreichs – Langschwarza – Kirchberg am Walde – Meinhartschlag – Siebenlinden – Großschönau – Johannesberg – Nonndorf – Bruderndorf – Binderberg – Karlstift – Eichelberg – Sepplberg.

Auf der Wanderung 1-7 mit dem Titel „Gipfelstürmer“ erreichen wir von Karlstift ausgehend an der Eichelberg-Westflanke den Ursprung der Lainsitz. Das Quellwasser verschwindet unmittelbar danach durch dichten Wald auf tschechisches Gebiet, schlängelt sich ca. 4,5 km die Grenze entlang und kehrt bei Joachimsthal wieder nach Österreich zurück, fließt am Wachberg vorbei und über Steinbach und St. Martin nach Weitra.

Zwischen Weitra und Schöllbüchl wird am Beginn der Wanderung 1-3 mit dem Titel „Die Wallfahrt-Konkurrenz“ der Weg durch das malerische Gabrielental beschrieben.

Am mauerbewehrten Weitra vorbei schlängelt sich die Lainsitz über Altweitra/Unserfrau nach Gmünd, wo sie noch das Wasser des Braunaubachs aufnimmt. Dieses Gewässer erreicht Österreich über Reingers und fließt über Eisgarn, Eberweis und Langegg nach Schrems, bevor es nach Gmünd gelangt.

Der Braunaubach wird zwischen Schrems und Gmünd in Hoheneich vom Schwarzabach verstärkt, der seinerseits von Langschwarza kommt und schon vorher von Gebhartsteich und Haslauer Teich sowie via Spindelgraben vom Winkelauer Teich gespeist wird. Auf dem Stadtspaziergang Gmünd begegnen wir dem Braunaubach, wenn wir über den Braunauplatz und die Schulersteinstraße durch den idyllischen Malerwinkel (siehe unten) wandern, bevor wir zur Blockheide aufsteigen.

Vor der Wasserbüffelweide überbrücken wir erstmals die Lainsitz. Ein zweites Mal queren wir sie dann in der Litschauer Straße, wollen wir zum Startpunkt am Stadtplatz gelangen.

Nach dem Stadtgebiet mäandert die Lainsitz über Großeibenstein und Breitensee weiter, wo sie unser Land endgültig Richtung Moldau verlässt. Dem genannten Winkelauer Teich begegnen wir im Zuge der Wanderung 2-1 mit dem Titel „Moor and more“, wenn wir den Naturpark Heidenreichsteiner Moor durchqueren und den Hochstand (siehe unten) erreichen. Am Teich entlang marschieren wir über die Wasserscheide (siehe erstes Bild) nach Osten über Artolz, Buchbach und Brunn nach Waidhofen an der Thaya.

Der Reißbach entspringt an der tschechischen Grenze bei Haugschlag und fließt nach Hörmanns in den Herrensee ein, vereinigt sich nach Litschau mit dem Schönauer Teich, verläuft parallel zur Bahntrasse der Waldviertelbahn, biegt bei Gopprechts nach Westen in die Grenzwälder ab und verlässt hier Österreich.

Im Zuge der Wanderung 1-2 mit dem Titel „Rund um Litschau“ wandern wir den Herrensee entlang und verlassen den Erholungswald Herrensee beim einfließenden Reißbach (siehe unten), bevor wir Hörmanns passieren. Nach den Steinmonumenten Fiedelstein und Wilde Jagd queren wir beim Schauflerteich erneut dieses Gewässer.

Die Wanderung 1-5 mit dem Titel „R(o)utengehen“ ist insofern interessant, weil wir auf der beschriebenen Strecke von Großschönau ausgehend den Johannesberg erreichen, wo wir direkt auf der Hauptwasserscheide stehen. Heute prangt hier die Johannesbergkirche an der Stelle einer schon im 12. Jh. erwähnten Kuenringer-Fluchtburg.

Bei der Umrundung des Haselnussbergs mit seinen Steinernen Stuben queren wir in den satten Wäldern mehrere Bächlein, die in verschiedene Richtungen entwässern. Man kann sich beim Marschieren einen Spaß machen und raten, ob das Wasser jeweils Richtung Nordsee oder Schwarzes Meer fließt.

Die oben erwähnten Wanderungen finden Interessierte im Buch „Wandern im Waldviertel“ in einer integralen Beschreibung. <shaw>


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